Bücherregal aus Leimholzplatten

Was macht man, wenn man zu Hause zu viele Bücher für die zu kleinen Regale besitzt? Als Maker baut man sich „schnell“ ein neues Bücherregal.

Anforderungen

Zuerst gilt es, die entsprechenden Anforderungen zu definieren:

Es soll

  • aus keilgezinkter Kernbuche gebaut werden
  • bei einem eventuellen Umzug auseinander zu bauen sein
  • dekorativ aussehen (Aufstellplatz im Wohnzimmer)
  • flexible Fächergrößen ermöglichen
  • eine Sockelleiste haben -> dekorativ aussehen
  • als Oberflächenbehandlung geölt sein
  • die Maße 220 x 230 x 17,5 cm (B x H x T) haben

Basierend auf diesen Anforderungen wurde mit SketchUp das Design vorgenommen:

Bücherregal 1

Konstruktionsdetails

Ein paar Details zur Konstruktion:

Das Regal besteht aus 30 Einlegeböden (70 x 17 x 1,9 cm), 4 Seitenwänden (230 x 17,5 x 2,7 cm) und 3 Sockelleisten (70 x 8 x 1,9 cm)

Als Holz wurden folgende keilgezinkte Leimholzplatten aus Kernbuche verbaut:

  • 1 Platte 250 x 60 x 1,9 cm
  • 2 Platten 250 x 80 x 1,9 cm
  • 1 Platte 250 x 80 x 2,7 cm

Zugeschnitten wurden diese auf Breite mit einem Festool CMS Tisch und mit Tauchkreissägen-Einsatz. Die Länge wurde auf unserem Werktisch / Zuschnitttisch mit Tauchkreissäge und Führungsschiene gesägt.

Auf eine Rückwand wurde verzichtet, damit man hinter dem Regal die Wand sehen kann.

Um das Aufbauen und auseinanderbauen zu ermöglichen wurden Exzenterverbinder Hettich VB35M und Exzenterschrauben DU279 verwendet

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Ein guter Nebeneffekt der Exzenterverbinder ist, dass diese den Boden an die Seitenwände ziehen, also keine Spalten entstehen. Auch der Stabilität kommt diese Art der Verbindung zu gute, da ja schon keine stabilisierende Rückwand verbaut wird.

Um die Flexibilität der Fachgrößen zu erreichen wurden mit an das System32 angelehnt zwei Lochreihen mit einem Akkuschrauber und einer Bohrschablone in die Seitenteile gebohrt. Insgesamt wurden über 800 Löcher mit der Schablone gebohrt.

Die Bohrungen für die Exzenterverbinder wurden mit einer Oberfräse, Kopierring und einem 20mm Dübelbohrer mit Hilfe einer Schablone exakt in die 30 Regalbretter gefräst. Bei 4 Löchern je Brett sind auch das 120 Löcher.

Mit diesen Verbindern und den Lochreihen kann man die einzelnen Regalböden jetzt genau auf einer Höhe aufbauen, wenn gewünscht.

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Da die Sockelleisten nichts tragen müssen, werden diese lose mit Flachdübeln in Position zwischen den Seitenteilen gehalten.

Oberfläche

Bei der Oberflächenbehandlung wurde das Holz mit dem Exzenterschleifer im Kreuzschliff mit den Körnungen P120, P180, P240, P320 und P400 geschliffen, um es dann mit einem Auftrag Öl zu behandeln. 1 Stunde nach dem satten Ölauftrag wurde das restliche Öl mit einem Poliervlies eingeschliffen. Nach weiteren 24-48 Stunden trocknen bekommt man so mit nur einem Ölauftrag eine sehr schöne und glatte geölte Oberfläche.
Dazu muss ich sagen, dass ich das Schleifen zeitlich ziemlich unterschätzt habe, das wird mir in der Form nicht mehr passieren. Jeder Schleifdurchgang mit einer Körnung hat ca. 2 1/2 Stunden gedauert. Somit kam ich auf eine Schleifzeit inklusive Poliervlies-Schliff von über 15 Stunden.

Aufbau

Das Aufbauen am Bestimmungsort hat dann auch noch einmal 2 Stunden in Anspruch genommen. Das Regal ist mit zwei Winkeln oben an der Wand verankert, damit es nicht kippen kann, was bei einem solch schmalem und hohem Regal sehr wichtig ist. Hier das fertige Regal:

Fertiges Regal

Fazit

Dies war mein erstes größeres Projekt im Makerspace nach zwei kleineren, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Würde ich das Regal noch einmal bauen, würde ich die Platten direkt bis P180 oder P240 schleifen und ggf. einen Exzenterschleifer mit 150mm Teller (anstatt den jetzigen 125mm) kaufen und benutzen. Der gesamte Arbeitsaufwand belief sich auf geschätzte 50 Stunden, verteilt über 2 Monate.